Reiseblog: Erster Tag in Frankreich

Ich kann nicht schlafen, deswegen gibt es jetzt einen Reiseblog. Tag 1.

Morgens hätte es losgehen sollen, vormittags ging es los. Wir kehrten natürlich um, weil wir die Pässe vergessen hatten. Dann folgten wir der Route: wie damals in WW1. Über Belgien nach Frankreich. Bei 2,5h Fahrtzeit einen Zwischenstopp eingelegt, und die belgische Kultur anhand von Frits kennengelernt. Im Nachhinein habe ich außerdem gelernt, dass die nicht vegetarisch sind, sondern in Rinderfett eingelegt werden, wtf. Jedenfalls, zweieinhalb weitere Stunden später, nachmittags, sind wir dann angekommen. Etwas abgelegen von einem kleinen Ort, der wiederum etwas abgelegen von einem etwas weniger kleinen Ort liegt, liegt eine Art Gehöft aus vier Gebäuden, so alt und verwittert und französisch, wie man es sich vorstellt, und in der Mitte des Gehöfts ein großer, alter Baum, den ich noch nicht identifizieren konnte. Das Ferienhaus ist vom Tor aus gesehen links auf dem Gehöft, und ziemlich geräumig - für fünf oder sechs Personen geplant, aber da ein Teil der Familie in England ist, füllt der Rest von uns das nicht auf. Ziemlich hohes Dachgebälk, eine Wendeltreppe zwischen den Stockwerken, eine Küche, die älter aussieht als die meiner Oma, etwas kalte Luft und trotzdem auch Gemütlichkeit, so könnte man es charakterisieren. Im Garten zu unserer Seite sind eine Tischtennisplatte und ein Badmintonnetz, nach hinten ist alles durch einen Bach und einen Zaun begrenzt, hinter denen Gewächshäuser liegen. Am Rand des Gartens ist außerdem ein verschlossenes Zauntor, hinter dem in einer Art überwucherten Laube ein leicht zerfallen aussehender Stein-Eingang zu was auch immer liegt; auf dem Zauntor ist ein Schild angenagelt, auf dem mit roter, krakeliger Schrift „No Entry“ steht. Scheinbar habe ich das so auffällig fasziniert beobachtet, dass meine Mutter mich gewarnt hat, garnicht erst daran zu denken, darein zu gehen. Jedenfalls, der Vermieter wirkte ganz zugänglich; ihm gehört das große Haupthaus auf der gegenüberliegenden Seite des Gehöfts, das zwar zur Straße hin (auf der die Autos nur hin und wieder vorbeirasen, dann aber ohne jeden Halt) sehr überwuchert und alt aussieht, von Gehöft aus aber herrschaftlich und historisch, wie es vor langem schon gewesen sein muss; jedenfalls habe ich in unserem Ferienhaus alte Schwarzweiß-Fotografien von diesem Haus und etwas weniger alte von der scheinbaren Familie des Besitzers gesehen, als dieser noch deutlich jünger gewesen sein muss - von dieser Familie habe ich noch niemanden hier gesehen. Ebenso wenig die anderen Gäste, die im Haus gegenüber des Tors wohnen, obgleich dort zwei Autos mit deutschen Kennzeichen stehen. Das vierte Haus, das das Tor und einen Turm mitinbegreift, beherbergt eher wie ein Schuppen Mülltonnen und Fahrräder. Als der Besitzer uns gezeigt hat, wo wir jeweilige finden können, ist mir außerdem eine Öffnung in der Decke der Schuppenräume aufgefallen, die scheinbar auf den Dachboden darüber führt; auch anziehend, vielleicht kann ich mal beim Müll wegbringen einen Blick darein werfen... Abends waren wir dann nochmal im Ort, einkaufen. Ich habe überleg, ob die Stereotypen über die schönen Franzosen stimmen, denn zwar war ich schonmal in Paris, aber es ist ein Glück, dass man den Charakter eines Landes nicht an seiner Hauptstadt messen kann (stellt euch das mit Berlin vor); und ja, es scheint irgendwie zu stimmen, selbst wenn es mir nur so vorkommen sollte, weil ich darauf achte, aber ich habe im Markt sowohl hübsche Mädchen als auch Jungen gesehen. Etwas, was ich dann auf dem Heimweg durch die Hügellandschaft danach und auch auf dem Weg in Küstennähe zu Mittag beobachten konnte, was ich garnicht genug beschrieben kann, sind... die Wolken. Die waren heute auffällig beeindruckend. Auf der Autobahn sind wir unter riesigen Wolkenfronten weggetaucht, die aussahen wie Sturmreiter, die sich wie für eine Schlacht auf die Erde ergießen wollen, und im Regen am Abend haben lange Wolkenfinger sich herab gestreckt, und die sich auftürmenden Wolkenberge wurden von der Sonne ange- und durchstrahlt, und alles in einer Palette aus Blau und Grau und Gold und Farben, in denen sich alles zugleich gemischt hat. Auf der Fahrt habe ich einmal auf einer Hügelkuppe im Rückspiegel kurz am Horizont das Meer gesehen :3

Ich habe heute nicht daran gedacht, untermalende Fotos zu schießen, vielleicht lege ich morgen ein paar nach. Gute Nacht.

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